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Mit Tempo zur Marktreife: MVP in der Softwareentwicklung

Schnelle Time-To-Market mit Hilfe des MVP-Prozesses: Klarer Plan, agile Entwicklungstechniken und gezielten Markteinführungsstrategien.

Adrian Schmid

24. November 2023

Da ist sie, die neue Software-Idee. „Lassen wir uns keine Zeit verlieren“, denken Sie sich. Doch der Weg zur Einführung neuer Software-Produkte kann ein Steiniger sein, wenn er nicht richtig angegangen wird. Es erwarten Sie nicht selten viele Fallstricke, wie zu hohe Erwartungshaltungen oder ineffiziente und langsame Entwicklungsschritte.

Abhilfe kann die Umsetzung eines Minimal Viable Products (MVP) verschaffen. Dieser Artikel behandelt die Grundkonzepte und Vorteile von MVPs, sowie praxisnahe Strategien und bewährte Methoden zu einer effizienten Erlangung einer Produkt-Marktreife.

Was ist ein Minimal Viable Product?

Ein Minimal Viable Product, kurz MVP, ist eine Software, die nur die notwendigsten Funktionen enthält, um Bedürfnisse der ersten Benutzer zu erfüllen. Dadurch bleibt Raum für iterative Verbesserungen.

Zu Deutsch übersetze ich es aber gerne (wenn auch nicht 100% korrekt) in minimal liebenswertes Produkt. Warum? Es ist nicht perfekt, aber gerade liebenswert genug, um von den ersten Nutzern akzeptiert und genutzt zu werden. Bezüglich des „perfekt“ passt folgendes Zitat sehr gut:

If you’re not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late

Reid Hoffman, Gründer von LinkedIn

Aber es muss und soll auch keinesfalls perfekt sein. Denn die MVP-Entwicklung verkörpert einen strategischen Entwicklungsschritt, der es Produktentwicklern wie uns ermöglicht, Software-Produkte schneller auf den Markt zu bringen, um frühzeitig Kundenfeedback zu sammeln und die Time-to-Market zu optimieren.

Die Vorteile eines MVPs

Viel zu oft kommt es kundenseitig zu der Annahme, dass die neue Produktidee nicht ausgiebig validiert werden kann, wenn der Prototyp nicht den viel zu hohen Ansprüchen entspricht. Dass das gar nicht möglich ist, ohne immense Ressourcen in das Projekt zu stecken, wird dann leider erst viel zu spät klar. In der Zwischenzeit, in der Sie sich in Perfektionismus wiegen, hat der Wettbewerber aber womöglich schon ein marktreifes Produkt entwickelt, das ihm wertvolle Nutzerdaten liefert. Schauen wir uns also mal die Vorteile des MVPs für Unternehmen genauer an.

Beschleunigte Time-To-Market

Ein Hauptaspekt ist die drastische Reduzierung der Time-to-Market. Durch Fokus auf die essenziellen Kernfunktionen wird nicht unnötig Zeit in Features gesteckt, die der Produkt-Validierung nicht nützen. Es gibt also absolut keinen Grund sich in hübschen Animationen zu verausgaben, wenn wichtige Prozess-Funktionen noch ausstehen. Klar, visuelle Aspekte tragen der Benutzerfreundlichkeit bei, können aber im Nachgang immer noch hinzugefügt werden. Wenn der ein oder andere hier hart zu sich selbst sein kann, schafft ein MVP durch eine schnelle Bereitstellung auf dem Markt eine klare Wettbewerbsfähigkeit sowie Potential für frühe Umsatzgenerierung.

Minimierung von Entwicklungsrisiken

Wenn es mit zu hohen Erwartungshaltungen und voller Überzeugung an die Umsetzung der eigenen Produktidee geht, werden oft unnötige Funktionen konzipiert, die das Projektvolumen in die Höhe treiben. Oder Funktionen, die im Kern der Produkt-Validierung beitragen, aber bereits viel zu ausgefeilt geplant werden. Das birgt enorme Entwicklungsrisiken, denn der Aufwand erhöht sich und geht weit über das hinaus, was eigentlich für den Anfang genügt.

Eine schrittweise und iterative Implementierung von Funktionen kann hier hilfreich sein. So können potenzielle Schwachstellen und Herausforderungen identifiziert werden, bevor sie sich zu schwerwiegenden Hindernissen entwickeln. Was nun zu einer steigenden Gesamteffizienz des Entwicklungsprozesses führt da unnötige Ressourcenverschwendungen im Vorhinein vermieden werden.

Frühzeitiges Kundenfeedback

Die erwähnte „Prozess-Funktion“ kann z.B. eine Eingabemaske oder ein Funnel sein. Der Vorzug des MVP-Ansatzes liegt darin, die Benutzereingaben und -führung frühzeitig auswerten zu können und so frühzeitig darüber zu erfahren, wie Ihre Nutzer Ihr Produkt empfinden. Mit iterativen Entwicklungszyklen und A/B-Tests können Produkt-Teams dann dafür sorgen, die Funnel-Erfahrung für die Nutzer stetig zu erweitern und zu verbessern. Auf der Basis von realen Nutzererfahrungen kann so den Anforderungen und Erwartungen des Marktes präzise gerecht werden. Diese enge Verbindung zum Kunden ist nicht nur entscheidend für die Entwicklung kundenorientierter Produkte, sondern minimiert auch das Risiko kostspieliger Produktanpassungen nach dem Markteintritt.

Die Planung des MVP-Prozesses

Nun ist klar geworden, auf welche Funktionen sich primär konzentriert werden sollte und welche vernachlässigt werden dürfen. Doch wie wird ein MVP nun geplant?

Im Vordergrund steht die Lösung des Problems, das das zukünftige Produkt erfüllen soll. Welchen Mehrwert möchten Sie Ihrer Zielgruppe bieten? Die Beantwortung dieser Fragen tragen dazu bei, eine klare Definition und Produktvision zu entwickeln, die sich ausschließlich der Problemlösung widmen. Alles andere kann und muss warten. Im Idealfall ergeben sich jetzt Schlüsselfunktionen für den MVP, die als Leitfaden und Grundlage für einen effizienten Entwicklungsprozess dienen.

Nun ist also klar, dass das Hauptaugenmerk auf den Funktionen liegen sollte, die das Kernproblem des Nutzers adressieren und gleichzeitig die Grundfunktionalität des Produkts gewährleisten. Durch die Festlegung der minimalen Anforderungen wird jetzt sichergestellt, dass der MVP mit seinen Entwicklungs- und Planungsschritten Gestalt annimmt.

Schnelle Entwicklungstechniken und -tools

Sobald es an die Umsetzung geht, also Designs und Programmierung, bietet sich eine agile Entwicklungsmethodik als effektive Herangehensweise an. Die iterative Natur agiler Methoden ermöglicht eine flexible Anpassung an sich ändernde Anforderungen und fördert die kontinuierliche Integration von Kundenfeedback. Gepaart mit dem Einsatz von Prototyping-Techniken können realistische Modelle des Produkts in kürzester Zeit geschaffen werden. Zusätzlich wird das Verständnis aller am Projekt beteiligten Stakeholder gefördert, wie sich das Produkt schlussendlich entwickelt und ob es denn funktioniert (oder nicht).

Methoden wie Scrum oder Kanban, bieten hierbei die Flexibilität, die es braucht den schnell ändernden Anforderungen gerecht zu werden. Außerdem fördern diese die Team-Zusammenarbeit und die kontinuierliche Lieferung von funktionsfähiger Software (Stichwort iterativ). Wir setzen deshalb ein Wasserfallmodell aufgrund der geringen Möglichkeit zur Validierung von Annahmen und geringen Flexibilität gar nicht erst ein.

Werden einzelne Schritte zudem automatisiert, können Entwicklungsschritte erheblich beschleunigt werden und tragen zur Gesamtagilität des Projekts bei. Durch die Automatisierung von Tests, Bereitstellungen und anderen wiederholbaren Aufgaben sparen Entwickler-Teams so wertvolle Zeit und können sich stattdessen auf die Weiterentwicklung der Kernfunktionalitäten konzentrieren.

Strategien zur schnellen Markteinführung

Die Entwicklung markiert lediglich den Anfang des Weges zur erfolgreichen Markteinführung. Um das volle Potential des MVPs auszuschöpfen, bedarf es gezielter Strategien, die eine schnelle und effektive Platzierung am Markt ermöglichen.

Beta-Tests und Early Access-Programme

Mit Beta-Tests und Early Access-Programmen kann man von bewährten Methoden profitieren, um das Produkt einem ausgewählten Nutzerkreis zur Verfügung zu stellen und schmackhaft zu machen. Das so gesammelte wertvolle Feedback kann das in die weitere Produktentwicklung einfließen, ehe es offiziell auf den Markt kommt. Nicht nur Schwachstellen können so identifiziert werden, sondern es schafft auch ein Gefühl der Exklusivität unter den ersten Nutzern.

Gezieltes Marketing

Um herauszufinden, wie die gewünschte Zielgruppe am besten angesprochen möchte, kann bereits in der MVP-Phase die Werbetrommel gerührt werden. Durch Fokussierung auf die einzigartigen Merkmale und den klaren Mehrwert des MVP können Unternehmen so Interesse und Neugier der potenziellen Nutzer wecken. Dabei sollten auch Storytelling-Elemente genutzt werden, um Kunden die Vision und den Nutzen des Produkts näherzubringen.

Partnerschaften und Kooperationen

Durch die Zusammenarbeit mit branchenrelevanten Partnern öffnen sich Türen für etablierte Netzwerke. Der so erlangte Zugriff und die Synergien, die dadurch entstehen, können genutzt werden, um das Produkt gemeinsam voranzubringen und.

So gelingt die erfolgreiche Umsetzung

Die Vision steht, die Kernfunktionen sind definiert. Um eine erfolgreiche und reibungslose Umsetzung des MVP zu gewährleisten, gibt es noch ein paar weitere Punkte zu beachten:

  1. Teamzusammensetzung und -dynamik: Ein gut ausgewogenes Team aus erfahrenen Entwicklern, Designern und Produktmanagern entscheidet den Produkterfolg. Nicht nur technisches Know-how ist hier wichtig, sondern auch die gemeinsame Vision für das Produkt sollte geteilt werden.
  2. Kontinuierliche Verbesserung und Anpassung: Auch wenn oft nicht sofort klar ist, wie bestimmte Datenpunkte interpretiert werden sollen: Auf Kundenfeedback und Datenauswertungen muss unverzüglich reagiert werden. Iterative Anpassungen tragen maßgeblich dazu bei, dass der MVP sich den Marktbedingungen anpassen kann.
  3. Ständige Kommunikation: Eine offene und transparente Kommunikation mit den Kunden ist unerlässlich. Das ist wichtig, denn Nutzer-Ergebnisse gibt es gerade bei fortgeschrittenen Projekten täglich. Und darauf muss schnell reagiert werden.

Fazit

Beschleunigte Markteinführung, frühzeitiges Kundenfeedback, Minimierung von Entwicklungsrisiken: Das MVP-Modell machen gerade diese Benefits zu einem attraktiven Werkzeug für Unternehmen aller Größenordnungen. Und das Produkt? Ja das hat es durch den nachhaltigen Entwicklungspfad und den immer weiteren, kleinen Schritten zum Ziel erst zu einem innovativen Software-Produkt geschafft. Diese Wertsteigerung macht das Produkt erst richtig einzigartig, durchdacht und wettbewerbsfähig, da es mit, statt nur für seine Nutzer gebaut wurde.

Wenn auch Sie auf langwierige Entwicklungszyklen verzichten möchten und Ihr Produkt schnellstmöglich marktreif machen möchten, wenden Sie sich gerne an uns. Unsere Experten beraten Sie gerne.

Adrian Schmid

Adrian entwickelt Full-Stack-Webanwendungen, ist DevOps-Enthusiast und ein großer Fan von benutzerzentriertem Design.

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